Interview – Paul Rodriguez

Im Rahmen des diesjährigen Street League Events in Barcelona nutzen wir die Gelegenheit uns mit Paul Rodriguez zusammen zu setzen, denn es gibt ein paar Dinge, die uns wirklich interessieren – warum wir in letzter Zeit so wenig Street Footage zu Gesicht bekommen haben, wie er an Nyjah vorbei kommen will und ob es nicht langweilig ist, krasse Tricks bei jedem Versuch zu schaffen. Während des Interviews schraubt er sich gemütlich ein neues Board zusammen und wir erleben einen gewohnt professionellen, aber auch ehrlichen und offenen P-Rod. Nach dem Interview entsorgt er seinen Müll und räumt in aller Ruhe den Tisch ab – nicht dass man so etwas nicht erwarten darf, es ist uns einfach nur aufgefallen…

Hi Paul, wie oft warst du schon in Barcelona?
Puh, so ungefähr 15 Mal würde ich sagen. Ich bin gerne hier – es ist einer der besten Orte der Welt. Hier ist immer ein guter Vibe, man kann sehr gut skaten wegen der ganzen Spots, das Essen ist super und die Leute sind gut drauf. Ich fühle mich hier wirklich wohl!

Wie läuft dieses Jahr bis jetzt für dich?
Bis jetzt ziemlich gut, ich bin fit und mache noch immer das, was mir am meisten Spaß macht. Von daher: Alles gut!

Du hast gerade die Fitness angesprochen – keine Verletzungen?
Im Moment ist Gott sei Dank alles gut. Heute hab ich ein bisschen schwere Beine – ich bin viel geskatet die letzten zwei Tage. Aber ansonsten kann ich mich nicht beschweren… Hoffentlich bleibt das so… (lacht)

Wo liegt denn im Moment dein Fokus – eher auf Contests oder gehst du viel Streetskaten?
Es kommt darauf an – im Moment ist jeder Tag anders. Wenn ich zuhause bin, fahre ich viel in meinem Park, am Wochenende bin ich dann meistens auf der Straße. Wenn Contests anstehen ist es manchmal ziemlich schwierig sich auf eine Sache zu konzentrieren. Während der Contestsaison probiere ich an meinen Tricks zu arbeiten und eine gewisse Routine zu bekommen. Die Tricks, die ich auf Contests mache, versuche ich dann später auf der Straße umzusetzen. Im Moment versuche ich beim Streetskaten einfach Spaß zu haben und mir keinen Druck zu machen – wenn ich dann noch etwas filmen kann ist alles gut! Aber da liegt gerade nicht meine Priorität…

In der letzten Zeit gab es tatsächlich nicht so viel Streetfootage von dir – ich habe mir deinen Youtube Channel angeguckt und dort viel Contest Footage gefunden…
Ich habe schon gefilmt, aber das meiste davon geht in „We are blood“ – den Film von mir und Ty Evans, der diesen Sommer kommen wird. Im Moment geht es mir mehr um den Spaß beim skaten als darum Footage zu sammeln… Ich lasse die Tricks einfach passieren – oder auch nicht… (lacht)

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Was ich zuletzt von dir im Netz gesehen habe war „Path Unseen“ oder die Nixon x Primitive Collabo… Gibt es viele Leute, die sich darüber wundern, dass es im Moment so wenig Footage, aber relativ viel dokumentarisches von dir zu sehen gibt?
Mit Sicherheit. Klar fragen sich die Leute wann es wieder mal Footage zu sehen gibt. Das ist nicht immer so leicht: Footage gibt’s, wenn sie da ist… (lacht) Für „We are blood“ war ich aber fleißig…

„Path Unseen“ ist ziemlich episch, viel Slow Motion, dramatische Musik und so weiter. Für meinen Geschmack war das fast ein bisschen zu viel des Guten.
Das kann sein, aber ich bin nicht der Produzent – ich sorge für die Tricks, das ist mein Job bei so einem Projekt. Für den Rest sind andere Leute verantwortlich…

Es sieht so dramatisch aus, aber ich weiss, dass du die meisten dieser Tricks, die man in Slow Motion sieht, einfach aus dem Ärmel schütteln kannst.
„Path Unseen“ ist ja für unseren Brand Saint Archer, ein Bier. Und auch wenn wir alle unseren Wurzeln im Skateboarding haben, geht es eben bei diesem Film um Bier. Das ist eine ganz andere Zielgruppe und nicht alle, die Bier trinken, kennen sich mit Skateboardig aus. „Path Unseen“ wurde für Leute gemacht, die nicht unbedingt wissen, was ein Switch FS Feeble ist… (lacht)

Vor zwei Jahren bist du hier in Barcelona beim Street League Contest Zweiter geworden. Was ist deine Strategie um dieses Jahr den Sieg nach Hause zu fahren, gibt es eine?
Gute Frage. Klar würde ich hier gerne gewinnen und einen guten Job machen. Ich habe mir natürlich ein paar Tricks überlegt, die ich gerne machen würde – die Strategie ist, sie auch zu schaffen… (lacht) Wenn ich all meine Tricks schaffe denke ich, dass ich vorne mitmischen kann. Vielleicht klappt’s, vielleicht auch nicht.

Viel Glück auf jeden Fall. Ich habe dich in München beim Street League Event gesehen, wie du SW Backtails die Hubba runtergemacht hast – bei jedem Versuch, drei Tage lang. Wird das nicht langweilig auf die Dauer?
Oh, auf jeden Fall! Aber auf der anderen Seite, macht es auch extrem viel Spaß – es ist irgendwie weird. Bei Contests geht es darum consistant unterwegs zu sein, man hat eben nicht soviele Versuche für seine Tricks wie beim Streetskaten oder filmen. Man muss on point sein, wenn man was reißen will. Man geht auf Contests weniger Risiko ein – so funktioniert das eben. Schon als Kind habe ich mich nicht damit zufrieden gegeben einen Trick geschafft zu haben, ich wollte ihn beherrschen. So kann man Tricks weiterentwickeln – Flip in oder Flip out oder wie auch immer. Das macht mir Spaß! Als ich klein war, fand ich Tom Penny super – der hat seine FS Flips und SW FS Flips bei jedem Versuch gemacht. Ich wollte sein wie Tom Penny und meine Tricks immer schaffen…

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SW BS TS – bei jedem Versuch.

Ich habe eine Quote von dir rausgesucht: „I had this desire, i wanted to be more as just a sponsored Skater, i wanted to be big!“ Wie groß fühlst du dich im Moment?
Nicht besonders. Ich habe früher aufgeschaut zu Leuten wie Penny, Koston oder Reynolds. Ich dachte mir, wie cool es wohl wäre so eine Größe zu sein. Aber es ist eine Illusion, denn wenn man selbst groß ist, merkt man es selbst am wenigsten. Ich bin sehr dankbar und zufrieden mit meiner derzeitigen Situation, ich bin auch stolz auf meine Karriere, die ich gemacht habe, aber ich fühle mich immer noch wie das Kid von damals…

Du hast mal gesagt, du hörst auf deine innere Stimme, was sagt sie für die nächsten drei Tage bei diesem Contest?
Dass ich mir vertrauen und meine Pläne nicht über den Haufen werfen soll… (lacht). Manchmal entscheide ich ganz spontan, doch einen anderen Trick zu machen – das funktioniert nie. Ich sollte mich an das halten, was ich mir vorgenommen habe, ich habe gelernt auf meine innere Stimme zu hören!

Bald kommt dein neuer Schuh raus, richtig? Hast du den an gerade?
Nein, der hier ist aus der 8er Serie – mein neues Pro Modell, der P-Rod 9 kommt im Juni oder Juli.

Bald hast du die zehn voll!
Ja, total verrückt…

Machst du eigentlich immer noch deinen Move mit der Kappe?
Immer. Egal ob auf Contests, in den Straßen, im Skatepark, in der Practise: Immer, vor jedem Versuch!

Vielen Dank für das Interview, Paul! Hat Spaß gemacht.
Danke euch!

Interview & Fotos: Benni Markstein