We Are The Music Makers / Stefan Marx

Favorites Revisited mit Stefan Marx

Skater sagen, was sie hören…
Wir sagen, was wir darüber denken.

Text: Renko Heuer / Photo: Linus Bill

01: Yo La Tengo – „Blue Line Swinger“
Wir denken: Freut uns ja irgendwie sogar für Yo La Tengo, dass sie so einen netten Kerl wie Stefan Marx als Fan haben, schließlich hört man sonst eher, dass sich eigentlich nur übellaunige Kritiker und unrasierte Musikjournalisten für den angestaubten Sound der Männer aus Hoboken begeistern. Ab heute also können sie sich mit Stolz die alternden Ellenbogen in die erschlaffenden Seiten rammen und sagen: „Weißt du, da in Hamburg, da mag einer unsere ganz langen Songs, die eher wie melancholische Sessions klingen“, wobei das auch noch gelogen wäre, nur wer gibt schon gerne zu, dass diese Fans genau genommen aus dem Kaff Todenhausen kommen – „which litereally means something like Deathville, you know?“ Dass wir bei Marx keine Engels-Gesänge zu erwarten hatten, war irgendwie klar, schließlich ist bei the artist formerly known as Gomes alles eher ein Prozess (sichtbare Errata inklusive), und so muss der Untertitel des Tracks wohl der Grund dafür sein, dass er sein absoluter Top-Hit geworden ist: „Patterns Of Sound Are My Bag Right Now“. Stefan hat uns persönlich verraten, dass er voll auf Endlosmuster – Patterns – steht (sogar auf die von Hermès). Schaut euch mal eure lausigen Unterhosen an… na, fällt der Groschen? Patterns? Unterhosen? „Blue Line Swinger“?

02: R. Stevie Moore – „Girl Go“
Wir denken: Obwohl die Girls ja manchmal nicht so auf Full-Print-Büxen abgehen, geht Stefan schön weiter auf Lo-fi- und DIY-Style ab, und zwar hier auf ein Stück, das ungefähr so alt ist wie er selbst, aber so klingt, als könnte es auch letzten Monat irgendwelchen bärtigen Dudes eingefallen sein, NSFW-Clip à la „New Aesthetic“ inklusive (checkt den Clip von 1978). Während die Liste der Zine-Releases vom Clepto-Chefdesigner inzwischen ähnlich lang ist wie die Diskografie von Mr. Moore, hört man hier auch raus, dass es den Nordhessen früher kein bisschen gestört hat, einfach mal den Kassettenrekorder an den Fernseher zu halten, um irgendeinen Videosoundtrack mitzuschneiden. Apropos Rauschen: Obwohl sich unser Mann mit dem Pentel Stylo MLJ20 in der Tasche ja zunehmend den Flugzeugen als Musen verschrieben (verzeichnet?) hat (während R.S. Moore gefühlt in jedem zweiten Songtitel das Wort „Girl“ droppt), mag seine Wahl auf „Girl Go“ nun gefallen sein, weil ihn auch bei den Flugzeugen eher die „Abhaurichtung“ interessiert – frei nach dem Motto „Welcome To Wherever You Are Not“ – aber das würde jetzt auch zu weit führen.

03: Ariel Pink – „Every Night I Die At Miyagi’s“
Wir denken: Ist schon doof, wenn man ausnahmsweise mal so gar nichts zu meckern hat an den Privatcharts, weil keine bösen Rap-Verirrungen drin sind, keine Rockposenpeinlichkeiten, und deswegen lassen wir bei diesem Track einfach mal außen vor, dass Stefan so ein krasser Ariel-Pink-Fan ist, dass er sich einen ganzen Abend lang beim Konzert an der Bar besoffen und den Bassisten gezeichnet hat, um daraufhin auch noch mit Mr. Pink persönlich abzustürzen und die ganzen Ergüsse des Abends dann im Zine-Format auf den Markt geworfen hat, ganz zu schweigen davon, dass die Texte von AP diverse seiner Zeichnungen lose inspiriert haben; das alles wie gesagt nur am Rande, denn uns soll es doch eher um die viel wichtigere Frage gehen, warum Ariel überhaupt jeden Abend in den ollen Sushi-Laden da geht, wo er doch schon am Vorabend tausend Tode wegen Fischvergiftung gestorben ist – wer die Antwort für uns parat hat, gewinnt ein Menü bei Benihana’s und eine von uns persönlich nachempfundene Raubkopie von Stefans erstem Werk, das inzwischen immerhin knapp ein Vierteljahrhundert alt ist (ungefährer Titel: „Vati & ihm sein Wetterhahn“). Zuschriften bitte an die PLACE-Redaktion unter dem Stichwort: Zugelaufenes Toastbrot.

04: John Maus – „Through The Skies For You“
Wir denken: Schon vor über fünf Jahren haben wir Herrn Maus dafür bewundert, dass er diverse harte Verrisse auf seine MySpace-Seite gepackt hat („Apparently, Maus spent five years working on this album, which is a shame because, frankly, it’s awful“, „There isn’t one song you could call ‘good’ on the whole album“, oder auch: „If it is supposed to be funny, it is not. If it is meant seriousy, then Maus needs some SERIOUS help.“), dabei klingt diese Retro-Space-Reise hier tatsächlich wie die Art von Dauerfluggefühl, nach der sich Stefan offensichtlich sehnt; und weil er nun selbst kein Typ ist, der man eben 13 Stufen runtersegeln kann, geht es eben „Through The Skies“ wie es sich für einen echten Aviation-Fan gehört. Immer noch besser als „Flugzeuge In Meinem Bauch“ oder Air, und damit wollen wir wieder landen, und zwar bei Track #5 dieser abgehobenen Liste.

05: Maher Shalal Hash Baz – „When I Die“
Wir denken: Die Musik von MSHB ist und bleibst die schiefste, menschlichste, liebenswürdigste Kindermelodien-Soße, zu der wir sogar schon musikbegeisterte Kinder haben schreiend wegrennen sehen (weil so grandios windschief, die Harmonien), dass es wohl der perfekte Soundtrack sein muss für einen verpflanzten Todenhausener, der früh down war mit der Documenta, der mit Unterhosen und Krakeleien seinen Lebensunterhalt bestreitet, hoffnungslos auf demokratische Medien wie Plattencover (für Playhouse, Mule Musiq, Endless Flight – na klar –, und Smallville – na logo) und andere Gebrauchsgegenstandskunstformen (Nieves-Zines, Shirts, Rampen, Lousy Stuff, Bretter) steht, der früh auf Maiden abging (schade, dass die hier fehlen), von Kim Gordon eher die Kunst als die Musik mag, sich laut eigener Aussage langsam okay fühlt (andere Mütter haben schließlich auch schöne Töchter), echt big in Japan ist und so wirkt, als sei er auf dem besten Wege, seinen grafischen inneren Frieden zu finden. Unseren Segen hat er jedenfalls, verdammt.

Stefan hat es sich nicht nehmen lassen und skizzierte mal eben seine Lieblingscover selber, im gewohnten Stil und leichten Veränderungen zu den Originalen, Dankeschön.